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Schafft Wolfsburg das Triple?

Schafft Wolfsburg das Triple?

Aus zwei mach drei – der VfL Wolfsburg hat beste Chancen, am Donnerstag auch noch die Champions League zu gewinnen. Finalgegner in Kiew ist allerdings niemand Geringeres als Rekordchampion Olympique Lyon.

„Doublesieger, Doublesieger – hey, hey, hey“, sangen die Spielerinnen des VfL Wolfsburg und begossen ihren Trainer Stephan Lerch mit Bier in der Pressekonferenz nach dem DFB-Pokalfinale in Köln, das sie gegen Bayern München mit 3:2 nach Elfmeterschießen gewonnen hatten. Passend dabei der Aufdruck ihrer extra für den Sieg angefertigten T-Shirts: „Läuft doch!“. Ja, momentan läuft es einfach perfekt für die Wölfinnen.

Vergangenes Jahr noch verbot der Gesamtverein VfL Wolfsburg den Pokalsiegerinnen das Feiern, weil die Männer noch das Relegationsrückspiel zu bestreiten hatten. Diese Konstellation ergab sich zwar auch dieses Jahr, doch das (aufgelockerte) Feiergebot der Verantwortlichen – „Wir genießen den Moment und feiern mit angezogener Handbremse, der Fokus geht auf Donnerstag“, sagte Lerch – hat einen anderen Grund. Nach der eingefahrenen Meisterschaft hat die Mannschaft nämlich noch die Chance auf das Triple: Das Finale der Uefa Women’s Champions League steht am Donnerstagabend im berühmten Walerij-Lobanowskyj-Stadion an.

Sportdirektor Ralf Kellermann, der als Trainer 2013 das Triple mit den VfL-Frauen gewann, erklärte nach dem Pokalfinale am Samstag: „2013 waren wir im Finale gegen Lyon krasser Außenseiter, drei Jahre später Außenseiter – am Donnerstag sind wir ein Team auf Augenhöhe.“ Nicht viele sehen den deutschen Vertreter sogar als Favoriten mit dem französischen Serienmeister. Lerch sagt: „Sie bringen eine enorme Qualität ein, wir brauchen uns aber nicht zu verstecken – und wir nehmen eine Menge Euphorie mit nach Kiew.“ So oder so: Die Fans dürfen beim Finale in Kiew (18 Uhr / live auf Sport1) hochklassigen und spannenden Fußball erwarten. Denn auch dieses Jahr dominierte Lyon um die deutsche Kapitänin Dszenifer Marozsán die französische Liga. Einen Spieltag vor Schluss und ohne Niederlage mit nur einem Unentschieden gegen Paris SG wird die Tabelle souverän mit acht Punkten angeführt. Das Pokalendspiel zwischen beiden wird am 31. Mai angepfiffen. Marozsán wurde im Lyoner Starensemble übrigens erneut zur Spielerin der Saison gewählt.

Doch der VfL Wolfsburg gehört, auch wenn das intensive und bis zum Schluss hochspannende DFB-Pokalfinale spielerisch nicht auf allerhöchstem Niveau war, spielerisch zu den weltbesten Teams im Frauenfußball. Bei der Frauenabteilung wird (anders als scheinbar bei den Männern) seit Jahren klug gearbeitet, die Kaderplanung ist so professionell wie sonst nirgends in Deutschland. Mit ihrem Etat sind die Wölfinnen den meisten deutschen Klubs um Jahre voraus. Kellermann hatte 2013 noch gesagt, die Wahrscheinlichkeit, dass ein deutscher Verein noch einmal das Triple hole, sei arg unwahrscheinlich.

Doch sein Nachfolger Lerch hat den Klub in seiner ersten Saison noch einmal voran gebracht, aus seinen Spielerinnen noch etwas mehr Klasse herausgekitzelt. Das schnelle und meist auch präzise VfL-Kurzpassspiel sucht in der Welt seinesgleichen. Hinten mit der Weltklasseverteidigerin Nilla Fischer, vorne mit der technisch starken Torjägerin Pernille Harder, am Wochenende von Bayerns Defensive noch weitestgehend ausgeschaltet, der schnellen Ewa Pajor oder Claudia Neto. Die Portugiesin hat sich als Winterneuzugang einen Stammplatz erkämpft. Und selbst die ebenfalls erst seit Januar im Team spielende Ella McLeod (ehemals Masar) ist nicht nur wegen ihrer beiden entscheidenden Tore zur Meisterschaft eine starke Neuverpflichtung.

Und natürlich nicht zu vergessen die selbstbewusste Torfrau Almuth Schult. Nach ihren zwei Paraden im Pokalfinale im Elfmeterschießen gegen Melanie Behringer und Lucie Voňková sagte sie in den Katakomben des RheinEnergie-Stadions: „Das war unser am härtesten umkämpfte Titel.“ Zweifel daran, dass ihre Teamkolleginnen nicht fit sein könnten für das Champions-League-Finale nach den intensiven 120 Pokal-Minuten hat sie aber nicht: „Für einen Titel gibt man die letzten Körner. Außerdem sind wir im Rhythmus, wir lechzen nach der Champions League.“ Taktisch nahezu perfekt eingestellt, ein unglaublich qualitativ in der Breite besetzte Kader und dazu soll Alex Popp wieder fit sein: Allzu unwahrscheinlich ist es nicht, dass die Mannschaft am Donnerstagabend in Kiew „Triplesieger, Triplesieger – hey, hey, hey“ ruft.

Von Paul Schönwetter

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