Gesundheit
Fußball-Mütter: Der lange Weg zurück aufs Feld
Fußball-Mütter kämpfen nach der Schwangerschaft um ihr Comeback. Warum medizinische Protokolle und Comeback-Pläne dringend fehlen.
Tabea Sellner brachte im April 2024 ihren Sohn zur Welt. Fünf Monate später stand die Wolfsburg-Spielerin wieder auf dem Rasen – ein Kraftakt, der exemplarisch für die Herausforderungen von Fußball-Müttern steht. Wenige Monate nach ihrem Comeback beendete die 28-Jährige ihre Karriere.
Seit Juni 2024 gelten verbindliche FIFA-Regularien zum Mutterschutz: mindestens 14 Wochen bezahlter Mutterschaftsurlaub, Kündigungsschutz und das Recht auf Stillpausen. Der DFB übernahm diese Vorgaben im Dezember 2024 vollständig. Doch auf medizinischer Ebene klafft weiterhin eine Lücke. Standardisierte Comeback-Pläne für Mütter fehlen – obwohl der Beckenboden erst nach sechs bis neun Monaten voll belastbar ist.
Melanie Leupolz, die mit Baby bei der WM 2023 spielte, kennt die Doppelbelastung: „Die Nächte sind kürzer als früher. Aber wenn mein Sohn lächelt, weiß ich, wofür man das alles macht.“ Almuth Schult kritisiert, dass es keine neutrale Anlaufstelle für Spielerinnen mit Kinderwunsch gibt.
Dabei zeigt eine kanadische Studie mit Elite-Athletinnen Mut machendes: 60 Prozent erreichen nach der Geburt ihr vorheriges Leistungsniveau innerhalb von ein bis drei Jahren – 46 Prozent übertreffen es sogar. Der DFB hat inzwischen reagiert und die neue Stelle „Female Player Care & Development“ geschaffen. Erste Koordinatorin wird ausgerechnet Melanie Leupolz. Sie soll Nationalspielerinnen bei Themen wie Schwangerschaft, weiblicher Zyklus und dualer Karriere begleiten. Mutterschaft muss kein Karriereende sein – aber sie braucht mehr als nur Vertragsschutz.

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