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Frauenfußball-WM

Das Geschäft mit dem Traum vom Profifußball

Leere Versprechungen, Abzocke und Hintertürchen: Spielerberater genießen einen schlechten Ruf. Mitten drin in diesem Haifischbecken: Jasmina Čović.

Leere Versprechungen, Abzocke und Hintertürchen: Spielerberater genießen einen schlechten Ruf.
Mitten drin in diesem Haifischbecken: Jasmina Čović.

Spielerberater – ein nicht geschützter Beruf. Bis vor kurzem genügten wenige Hundert Euro, ein Führungszeugnis und eine Unterschrift um als Spielerberater tätig werden zu können. In solch einem lückenhaften System sind schwarze Schafe vorprogrammiert und Jasmina Čović hat sie kennengelernt.

Die 29-jährige Kroatin betreibt seit 2015 mit Brian Eylert die Women’s Football Agency in München und Frankfurt am Main. Gemeinsam betreuen die beiden 30 Spielerinnen, darunter Tanja Pawollek, Laura Freigang oder Ana-Maria Crnogorcevic. Zu den täglichen Aufgaben von Čović gehört dabei nicht nur, die Spielerinnen von A nach B zu transferieren. Einige der Klientinnen werden darüber hinaus auch in Karriere- und Marketingfragen beraten und betreut, wie beispielsweise Nationalstürmerin Freigang. Hier ist Čović auch in die Auswahl der Sponsoren involviert.

Spielerberaterin Jasmina Covic am “Deadline Day” bei Sky Sport News über den Transfermarkt im Frauenfußball.

Geld alleine ist nicht alles

Und wie schafft man es, bei all den verlockenden Angeboten abseits des Platzes den Fokus auf dem Sport zu haben? Eine schwierige Aufgabe findet Čović, denn „es ist tatsächlich so, dass einige Spielerinnen über die Sponsorenverträge mehr Geld verdienen als im Verein“, so die Spielerberaterin gegenüber dem FFussball Magazin. Doch Geld alleine ist nicht alles. Im Falle von Laura Freigang wurde potentiellen Geldgebern „von Anfang an gesagt, dass sie in erster Linie Fußballerin ist und nicht Marketingobjekt.“

Apropos Geld: Kann man als Spielerberaterin vom Frauenfußball leben? Die Antwort lautet: Vielleicht. Čović präzisiert: „Wir verdienen unser Geld mit dem Brutto Grundgehalt der Spielerinnen, also das, was sie wirklich an Grundgehalt monatlich erhält ohne Bonuszahlungen, die fließen da nicht mit rein. Und davon erhalten wir einen bestimmten Prozentsatz.“

Die zu Beginn ihrer Karriere jüngste und einzige Spielerberaterin im Profi- Fußball spricht offen über das Business und nimmt dabei kein Blatt vor dem Mund. „Ich finde es unheimlich wichtig, dass die Leute auch wissen, wie ein Berater arbeitet und, dass nicht alle Berater schlecht sind.“ Eine Transparenz und Ehrlichkeit, die in der Branche offenbar selten an den Tag gelegt wird.

Die dunklen Kapitel der Branche

Čović berichtet im FFussball Magazin aus dem Nähkästchen. „Es gibt natürlich auch die andere Seite, die modernen Menschenhändler. Was ich da schon teilweise von Spielerinnen für Geschichten gehört habe, da stellen sich einem die Nackenhaare auf. Es ist ganz übel. Da verleiht beispielsweise die Spielerin das Auto ihrem Berater und der haut damit ab und meldet sich nie wieder. Oder vor kurzem, das habe ich von einer Bekannten mitbekommen, sollte ein Transfer eingefädelt werden. 2.500 Euro Gehalt und der Berater möchte aber jeden Monat 500 Euro von der Spielerin haben. Das sind natürlich schon extreme Dinge, die da passieren und es gibt Spielerinnen, die auch nicht wissen, ob das normal ist.“

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Ja, das liebe Geld. Es fließt mittlerweile auch bei den Fußballerinnen. Die Ablösesummen sprechen ein eindeutiges Bild, Beth England und Keira Walsh haben in wenigen Monaten (landesweite) Ablöserekorde erzielt. Wann wird der erste Millionentransfer bei den Frauen realisiert? Laut Čović wird das nicht mehr lange dauern. In zwei, drei Jahren rechnet sie mit einer siebenstelligen Ablösesumme.

Und mit Lena Oberdorf vermutet die Spielerberaterin eine deutsche Spielerin als Rekordhalterin. Eine erfolgreiche Weltmeisterschaft würde den Marktwert Oberdorfs mit Sicherheit nicht schmälern… und möglichweise weitere Piranhas anlocken.

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