Frauenfußball-EM

Nahbar wie nie zuvor: Dänemarks Nadia Nadim im Fokus

Egal, wie das heutige Duell gegen Deutschland ausgehen mag – eine Rolle in Dänemarks Fußball-Geschichte hat die Weltenbürgerin Nadia Nadim schon jetzt inne.

Foto: Imago Sportfoto

Nahbar wie nie zuvor: Dänemarks Nadia Nadim im Fokus

Egal, wie das heutige Duell gegen Deutschland ausgehen mag – eine Rolle in Dänemarks Fußball-Geschichte hat die Weltenbürgerin Nadia Nadim schon jetzt inne.

Die Intensität ihres Lebens ist immer am Limit, manchmal etwas zu hoch, wie Dänemarks Stürmerin Nadia Nadim im Dokumentarfilm über ihr eigenes Leben NADIA (Frankreich 2021) berichtet. Am heutigen Freitagabend (21 Uhr) vor dem Gruppenspiel der DFB-Frauen gegen Dänemark richten sich viele Augen auf jene Angreiferin, die mit ihrem Ausgleichstreffer schon im EM-Viertelfinale 2017 das deutsche Ausscheiden einleitete.

Die gebürtige Afghanin ist mehr als nur eine gute Fußballerin. Sichtlich emotional schildert die Angreiferin ihre beeindruckende Lebensgeschichte. Die heute 34-Jährige war acht Jahre alt, als ihr Vater, ein Armee-General, brutal von der Taliban ermordet wurde. Ihre Mutter floh mit Nadim und ihre vier Geschwister über Pakistan und Italien in Richtung Dänemark. Jubelbilder im PSG-Trikot, ihrer bislang letzten Europastation, nachdem Nadim seit 2021 bei Racing Louisville FC spielt, wechseln sich im Film mit Schreckensbildern der Taliban ab.

Die afghanisch-dänische Profifußballspielerin Nadia Nadim plant für ihr Leben nach dem Sport. Sie für Ärzte ohne Grenzen arbeiten. Foto via Spiegel.de

Auf Spurensuche – eine Rückkehr nach Afghanistan war zu gefährlich

Die Doku erzählt von Nadims Spurensuche, dem Wunsch, nach Afghanistan zurückzukehren, um alte Militär-Orden ihres Vaters, die ihre Tante vor den Taliban im Garten vergrub, zu finden. Und um so besser mit der brutalen Exekution ihres Vaters abschließen zu können. Ein Besuch ihres Geburtslandes könne ihr helfen, erzählt sie voller Tatendrang. Doch zu einer Reise nach Afghanistan kam es bislang nicht. Denn seit der Wiederkehr der radikalen Miliz im Sommer 2021 ist das Risiko, dass Nadim etwas passieren könnte, zu groß. Sicherheitsvorkehrungen mit der französischen Botschaft wurden besprochen, doch am Ende ist es zu gefährlich.

Ein filmisches Denkmal, wie es bei NADIA gelungen ist, war überfällig. Regisseurin Anissa Bonnefont zeichnet nach anderthalbjähriger Begleitung das Bild einer erfolgreichen Sportlerin, vor allem aber eines beeindruckenden Menschen, der Fußball nicht als Beruf sieht, sondern 2021 in Medizin promivierte, um Menschen helfen zu können. Nadim ist ein Vorbild für Integration in Dänemark, in ganz Europa. Das US-Magazin „Forbes“ kürte sie schon 2018 zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten im Sport. Die erfahrene Kickerin spricht sieben Sprachen – darunter auch Deutsch – und möchte nach ihrer aktiven Karriere für „Ärzte ohne Grenzen“ tätig sein. Am liebsten in Kabul.

Für die 34-jährige dänische Angreiferin wird es wohl die letzte EM sein, trotz des Alters hat sie sportlich keinerlei Wert eingebüßt. Kredit verspielte sich die Torjägerin, als sie sich für die Männer-WM in Katar als FIFA-Botschafterin einspannen ließ (FFussball berichtete), zwischenzeitlich stand gar eine Nichtnominierung im Raum. Sportlich ist ihr Wert für das Team von Trainer Lars Søndergaard aber unbestritten. Zusammen mit Chelseas Pernille Harder bildet sie einen Traumsturm, dem in der EM-Quali 17 Treffer gelang – neun Tore Nadim, acht Harder. Im Vorfeld der EM absolvierte Nadim gegen Brasilien ihr 100. Länderspiel.

Egal, wie das erneute Duell gegen Deutschland ausgehen mag – eine Rolle in Dänemarks Fußball-Geschichte hat die Weltenbürgerin schon jetzt inne. Treu ihrem Lebensmotto: „I have one goal in life, I want to be the best, in everything I do.“

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